M wie Empathie

Um mitfühlend mit anderen zu sein, müssen wir unsere eigene innere Landkarte kennen und verstehen, wie wir fühlen und was uns bewegt.

Einen Moment durch die Brille des anderen schauen, mit jemandem mitfühlen ohne sofort in den Bewertungsmodus zu gehen. Dieser Wechsel der Perspektive nennt sich Empathie. Ist Mitgefühl erlernbar? Wo liegt die Grenze zwischen Mitgefühl und Helfersyndrom?

Menschen haben das tiefe Bedürfnis, verstanden und angenommen zu werden. Was für den Umgang mit anderen gilt das gilt in allererster Linie aber auch für den Umgang mit uns selbst. Um mitfühlend mit anderen zu sein, müssen wir zunächst verstehen, wie wir selbst fühlen und was uns bewegt. Monika Hein, Businesscoach und Stimmtrainerin hat sich in ihrem neuen Buch ausführlich mit Empathie beschäftigt. Im Gespräch erklärt sie die wichtigsten Begriffe zum Thema.

Empathie, was ist das? Monika Hein: Erstmal rührt Empathie von Einfühlung her. Wir fühlen uns ein. Was das bedeutet? Wir erkennen und verstehen die Gefühle anderer und verhalten uns angemessen. Das hört sich einfach an, ist es aber nicht. Empathie erfordert eine Menge Achtsamkeit und Herzenswärme. Aber auch Abgrenzung und Selbstempathie gehören zu ihr.

Wie kann ich mir einen empathischen Menschen vorstellen?
Für mich ist ein Mensch empathisch, der den Blick auf die Welt weitet und andere Haltungen, Meinungen und überhaupt andere Menschen respektiert und gelten lässt. Und der es schafft, für andere da zu sein, diePerspektive zu wechseln und gleichzeitig in der Lage ist, gut für sich selbst zu sorgen. Der für andere Menschen offen ist und möglichst schnelle Urteile vermeidet. Allein daran scheitern wir ja alle täglich … Ein empathischer Mensch erkennt außerdem an, dass er auch mal unempathisch mit anderen umgeht und verzeiht sich dies …

Wie verhalten sich Menschen, denen es an Empathie fehlt?
Wie oben angedeutet, empathielose Menschen verurteilen alles und jeden, der irgendwie von den eigenen Vorstellungen abweicht. Ein unempathischer Mensch will permanent Recht haben und weicht nicht von seiner Meinung ab. Und er erkennt seinen eigenen Anteil an Konflikten nicht.

Ist Empathie erlernbar? Unbedingt! Wir sind durchaus mit der Fähigkeit der Empathie auf die Welt gekommen, zumindest prägt sie sich immer deutlicher aus im Laufe der Kindheit. Doch durch schlechte Erfahrungen und Enttäuschungen haben sich Schichten von Selbstschutz um diese Fähigkeit gelegt. Wenn ich das erkannt habe, kann ich damit anfangen, die Schichten wieder abzutragen. Dazu gehört viel Selbstliebe und Selbstempathie. Man wird wieder verletzlicher und dadurch stärker. Insgesamt geht es darum, den Blick wieder zu weiten, Gedanken zu verändern, sich wieder mehr berühren zu lassen.

Helfersyndrom und Empathie – wo ist die Grenze?
Ja, es gibt auch ein Zu-Viel an Empathie. Aus diesem Grund gilt es, bei sich selbst zu bleiben und sich nicht zu sehr zu stressen. Mit Helfersyndrom wird Empathie oft verwechselt, sie haben aber nichts miteinander zu tun. Es kann auch mal sehr empathisch sein, nicht zuhelfen. Ein „Nein“ ist auch Teil von Empathie, zum Beispiel, wenn ich gegen mich selbst handeln und meine Bedürfnisse missachten würde.

Telepathie gefragt? Empathie ist nicht Telepathie. Ich kann als empathischer Mensch nicht die Gedanken anderer lesen. Auch wenn das schön wäre: Wir sind doch darauf angewiesen, einander klar zu sagen, was los ist. Wenn wir unsere Wünsche und Bedürfnisse nicht klar ausspre- chen, kann sie kein anderer wissen und uns entgegenkommen. Empathie bedeutet, in den Momenten, in denen nicht oder wenig gesprochen wird, zwischen den Zeilen zu lesen und gegebenenfalls nachzufragen. Das bedeutet: Ich muss meinem Partner, meiner Familie mitteilen, was ich brauche. Und ich muss erfragen, was andere von mir brauchen. Wenn ich beides gut beherrsche und die Bedürfnisse eines jeden ernst nehme und beachte, komme ich zu einem empathischen Miteinander.

Drei Tipps am Weg zur Empathie

1. Eigene Wünsche wahrnehmen
2. Wenn die Wünsche eines anderen meinen nicht entsprechen, abwägen – was ist wem gerade wichtiger?
3. Auf das eigene Wohlbefinden achten – wenn ich jemandem helfe und mir gleichzeitig schade, ist die Empathie nicht vollständig.

Die Langfassung ist im Magazin Valid erschienen und im Anhang nachzulesen.